Ruth Löbner ist Kinderbuchautorin. Sie hat das Buch Papa, Jonas und der Tauschsonntag verfasst, über das wir auch schon berichtet haben. Frau Löbner war so nett und hat der Kinderredaktion ein paar Fragen beantwortet und stimmt uns schon einmal auf ihr neues Buch ein.
Ruth Löbner: Ich freue mich, dass du mich zu diesem Interview eingeladen hast. Danke!
Lena_Lu: Wie ist das gekommen, dass Du Bücher schreibst?
Ruth Löbner: Eigentlich wollte ich das schon lange. Mit 17 hab ich heimlich beschlossen, Schriftstellerin zu werden. Aber ich hab mich nicht so richtig getraut, das jemandem zu erzählen, weil ich dachte, man muss erst mal einen Beruf lernen, mit dem man Geld verdienen kann. Also hab ich studiert, und wollte danach an der Uni unterrichten, wie mein Mann. Dann haben wir aber Kinder bekommen und verabredet, dass ich erst mal zu Hause bleibe und mich nur um die Kinder kümmere, solange sie noch klein sind. Ich konnte also gar kein Geld verdienen. Und dann, hab ich mir gedacht, könnte ich ja genauso gut auch was schreiben. Und das hab ich dann gemacht.
Eigentlich habe ich also meinen Kindern zu verdanken, dass ich das geworden bin, was ich immer werden wollte.
Lena_Lu: Hast Du das Buch auf dem Computer geschrieben oder auf einem Blatt geschrieben?
Ruth Löbner: Meine Bücher schreibe ich alle auf dem Computer. Ich ändere zwischendurch sehr viel rum, da würde nur Chaos entstehen, wenn ich auf einem Blatt schreiben würde und dauernd Sachen durchstreichen und mit Pfeilen verschieben müsste.
Ich habe aber für jeden Text, den ich schreibe, ein Notizbuch, das nenne ich mein „Arbeitstagebuch“. Da schreibe ich mit dem Füller all die Dinge rein, die ich über den Text denke. So was wie: „Hach, ich weiß nicht, das, was ich gestern geschrieben habe, ist totaler Murks, so kapiert doch kein Mensch, dass der Junge sauer ist. Vielleicht wäre es gut, wenn er in sein Kissen reinbeißen würde, anstatt nur in der Ecke zu stehen, dann kapiert man es besser.“
Das mache ich jeden Tag. Ich schreibe ungefähr genauso viel mit dem Füller wie mit dem Computer.
Lena_Lu: Wie macht man ein Buch?
Ruth Löbner: Meistens schreibt zuerst der Autor einen Text und bietet den dann einem oder mehreren Verlagen an. Bei manchen Autoren, bei mir zum Beispiel, macht das auch der Literaturagent (das Anbieten, Schreiben muss der Autor selber). So ein Agent ist superpraktisch, weil er sich mit den Verlagen perfekt auskennt und auch genau weiß, wie viel Geld ein Autor für ein Buch bekommen sollte. Der Agent geht also zum Verlag und sagt: „Hier, Leute, guckt euch das mal an, das ist ein wunderbarer neuer Text, macht doch ein Buch daraus, das wird bestimmt ein Knüller!“ Wenn alles gut läuft, liest der Verlag den Text (das kann ein halbes Jahr dauern, aber manchmal geht es auch schneller) und wenn es richtig gut läuft, sagt der Verlag nach dem Lesen: „Ja, finden wir auch gut, da machen wir was draus.“ Und dann verhandeln der Agent und der Verlag den Vertrag für das Buch. Und der Autor und der Verlagslektor reden dann noch darüber, ob man bei dem Text vielleicht was besser machen kann. Und das machen sie dann meistens auch.
Wenn es Bilder im Buch geben soll, bekommt als nächstes der Illustrator den Text und überlegt sich, was er dazu am besten malen könnte. Bei einem Bilderbuch dauert das ziemlich lange, bei einem Roman, wo nur wenige Illustrationen nötig sind, geht es etwas schneller.
So, dann sind also schon mal Text und Bild beisammen.
Was danach passiert, ist für mich auch so eine Art Geheimnis. Ich weiß, dass es dann meistens noch sehr, sehr lange dauert, bis man das Buch kaufen kann. Es muss natürlich gedruckt und gebunden werden, das ist klar.
Aber es gibt auch immer wieder so rätselhafte Dinge wie „Vertreterkonferenzen“. Die Vertreter sind die Leute, die in die Buchhandlungen gehen und versuchen, die Buchhändler davon zu überzeugen, dass sie mindestens zehn Stück von diesem tollen Buch bestellen sollen, weil es bestimmt weggeht wie warme Semmeln. Oder so in der Art.
Diese Vertreter sind deswegen sehr wichtig für den Verlag. Sie können zum Beispiel sagen: „Leute, wenn das Buch „Verliebte Jungs sind supercool“ heißt, kauft das garantiert kein Mensch! Denkt euch mal lieber was anderes aus!“ Und dann denkt sich der Verlag was anderes aus, denn er will natürlich nicht auf seinem Buch sitzen bleiben.
Dann dauert es wieder bis zur nächsten Vertreterkonferenz, bis sie den neuen Titel vorschlagen können und alle bibbern und hoffen, dass er diesmal den Vertretern besser gefällt.
Und so zieht sich das ewig hin. Der Autor hat schon fast wieder vergessen, dass er ein Buch geschrieben hat – aber irgendwann kommt der große Tag, da klingelt der Postbote und bringt völlig verschwitzt ein dickes Paket mit den zehn Exemplaren, die der Autor vom Verlag geschenkt bekommt. Und dann ist der Autor den ganzen Tag nicht mehr ansprechbar. Er grinst nur noch dümmlich vor sich hin, vergisst, seinen Kindern was zu Essen zu machen, streichelt das Cover, guckt sich hunderttausend Mal die Bilder an, schnuppert an den Seiten und flüstert selig vor sich hin: „Mein Buch.“
Lena_Lu: Wie viele Bücher hast Du schon geschrieben?
Ruth Löbner: „Papa, Jonas und der Tauschsonntag“ ist mein erster Roman. Im Moment schreibe ich den zweiten. Dann hab ich noch drei Bilderbücher fertig, zwei davon kommen nächstes Jahr raus, eins 2012. Zusammen mit meiner Freundin und Kollegin Nikola Huppertz hab ich ein Buch geschrieben, das noch streng geheim ist, das kommt auch 2012 raus.
Öhm, hast du mitgezählt?
Lena_Lu: Denkst Du Dir die Bücher aus oder sind das wahre Geschichten?
Ruth Löbner: Bis jetzt sind alle meine Geschichten erfunden. Aber ich mag es, wenn die Dinge auch in echt passiert sein könnten. Also, wenn es um richtige Menschen in der richtigen Welt geht. Darüber schreibe ich am liebsten.
Lena_Lu: Magst Du Bücher sehr gerne? (lesen und schreiben)
Ruth Löbner: Ja, na klar!
Lena_Lu: Was ist Dein Lieblingsbuch?
Ruth Löbner: Das kann ich nicht sagen. Es gibt so viele tolle Bücher, dass ich mich nicht entscheiden könnte. Das wäre auch irgendwie unfair. Bei Kinderbüchern sind im Moment meine liebsten Autoren Jerry Spinelli, Andreas Steinhöfel, Edward van de Vendel, Kirsten Boie und Nikola Huppertz. (Wenn du jetzt denkst, ich sag das nur, weil Nikola meine Freundin ist, dann schenk ich dir mal ein Buch von ihr. Das kannst du lesen und dann reden wir weiter.)
Lena_Lu: Malst Du die Bilder oder jemand anderes?
Ruth Löbner: Ich kann nicht gut genug malen, deswegen macht das immer jemand anders für mich. Aber das ist auch genau richtig so, da bekommen die Figuren im Text nämlich noch mal ein neues, anderes Gesicht. Es ist immer sehr, sehr spannend zu sehen, wie der Illustrator sich die Leute vorstellt, die man beschrieben hat.
Lena_Lu: Darfst Du schon sagen, worum es in Deinem neuen Buch geht? Und wenn ja, kannst Du einen kleinen Tipp geben.
Ruth Löbner: Leider darf ich noch nicht zu viel verraten. Aber meine Lektorin beim Boje-Verlag hat gesagt, dass ich dich und die andern Kinder, die das hier lesen, ja schon mal total neugierig auf das Buch machen kann. Ich hab gelacht und gesagt: „Wie soll ich denn jemanden neugierig machen, wenn ich nicht sagen darf, worum es geht!?“ An ihre Antwort erinnere ich mich leider nicht mehr, aber sie denkt wohl, dass ich das hinkriege.
Also, ehm: Es geht um einen Käfer und um ein Klavier. Popcorn kommt im Buch vor und ein Labyrinth, eigentlich sogar zwei. Dann ist da eine Frau, die niemals Schuhe trägt und ein toter Geheimagent, den sich Elisa aber bloß für die Zwillinge ausgedacht hat. Im Mittelpunkt stehen zwei Kinder, die total unterschiedlich sind und Zwangs-Freunde werden.
Ich glaube, es geht um ungewöhnliche Kombinationen im Leben.
(Mmh, bist du jetzt neugierig?)
Lena_Lu: Wie heißt Dein neues Buch?
Ruth Löbner: „Spaghetti mit Schokosoße“.
Lena_Lu: Vielen lieben Dank für das Interview!
